29.05.2018 09:31

Interview mit Jörg Pfeiffer - Geschäftsführer der Berliner Parkeisenbahn

Jörg Pfeiffer, 44 Jahre, ist seit seiner Kindheit mit der Eisenbahn verbunden. Heute ist er Geschäftsführer und kümmert sich, wie viele andere ehrenamtliche Helfer darum, Kindern und Jugendlichen das Verkehrsmittel Eisenbahn näher zu bringen und die persönliche Entwicklung junger Menschen zu fördern. Wir haben ihn zum Interview getroffen und mit ihm darüber gesprochen, was ihn an seiner ehrenamtlichen Arbeit begeistert und wie die Organisation des Kindertages vom 1. bis 3. Juni bei der Berliner Parkeisenbahn läuft.

Viele der ehrenamtlich Aktiven sind bereits von klein auf bei der Parkeisenbahn. Bei Dir ist das es ein anderer Weg gewesen. Wie bist Du in die Wuhlheide gekommen?

Da ich aus beruflichen Gründen, für eine große Kundenveranstaltung, eine passende Location gesucht habe, wurde mir kurzerhand die Parkeisenbahn empfohlen. Ein Vertreter der Parkeisenbahn zeigte mir die Möglichkeiten, die die kleine Eisenbahn in Köpenick bietet. Da ich bereits in meiner Kindheit großes Interesse an der Eisenbahn hatte, wurde mir schnell klar, dass es nicht nur bei dieser Kundenveranstaltung bleiben wird.

Nach kurzer Zeit merkte ich, dass sich hier ein tolles Team für die kleine Bahn engagiert und ich sie unterstützen möchte.

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Was schätzt Du, wie viele Stunden hast Du in den letzten drei Jahren für die ehrenamtlich gearbeitet?

Die Stunden kann man nur schwer ganz genau beziffern. Viele Dinge erledigt man nebenbei und erfasst sie nicht. Neben der Zeit in der Wuhlheide gibt es viele Themen, die wir alle von zu Hause oder unterwegs erledigen. Einen echten Feierabend gibt es an den ein oder anderen Tag nicht. Pro Jahr sind es aber weit über 1.000 Stunden.

Was macht die BPE für Dich so besonders und einzigartig?

Lass mich kurz überlegen... Es ist immer wieder bemerkenswert ,welche Leistungen unsere ParkeisenbahnerInnen und Vereinsmitglieder, teilweise mit wenig Vorlaufzeit erbringen. Unsere kleine Bahn nach über 60 Jahren so interessant für kleine und große Fahrgäste zu erhalten, bedarf jeder Menge Ehrgeiz und Einsatzbereitschaft. Das ist überhaupt nicht selbstverständlich, was hier gemeinsam geleistet wird. Mit diesem Team ist für uns fast alles möglich. Das ist auch die Voraussetzung, dass wir positiv in die Zukunft schauen können.  

Wie viele Kinder sind bei Euch derzeit aktiv?

Aktuell haben wir über 70 Parkeisenbahnerinnen und Parkeisenbahner, wobei die Tendenz in den letzten zwei Jahren stark wächst. Für den nächsten Ausbildungsstart haben wir bereits 15 Anmeldungen. Als Parkeisenbahner zählen bei uns alle unter 18 Jahren.

Die Erwachsenen sind in einem von drei Vereinen/Gruppen aktiv und unterstützen uns bspw. in der Fahrzeug- und Infrastrukturinstandhaltung, Organisation und Verwaltung. Insgesamt haben wir knapp 200 Mitglieder, die zum Teil lange Wege auf sich nehmen.

Wie lange dauert eine Ausbildung bei Euch?

Bei uns können Kinder ab neun Jahren mitmachen. Los geht´s mit der Ausbildung zum Zugschaffner. Die Kids kontrollieren die Fahrkarten, geben Auskünfte und helfen beim Ein- und Aussteigen – ganz so wie Zugbegleiter bei den großen Bahnen.

Jedes Jahr können die Parkeisenbahnerinnen und Parkeisenbahn eine weitere Ausbildung bei uns machen: Schrankenwärter, Aufsicht, Fahrkartenverkäufer und Fahrdienstleiter sind nur einige Beispiele. In allen Ausbildungsstufen gibt es zwischen vier und zehn theoretische und viele praktischen Einheiten, die in der Regel zwischen Oktober und März stattfinden.

Bei allen Spaß darf man aber nicht vergessen, dass wir eine richtige Eisenbahn sind. Unsere Züge wiegen bis zu 70 Tonnen und haben aus 20 km/h einen Bremsweg von 50 Meter. Zum Vergleich: ein Auto kommt bei dieser Geschwindigkeit bereits nach vier Meter zu stehen.

Die Ausbildung erfolgt entsprechend mit der notwendigen Ernsthaftigkeit – wobei es keinen Frontalunterricht bei uns gibt. Zum Ende müssen unsere ParkeisenbahnerInnen in einer Prüfung ihr Wissen unter Beweis stellen.

Die Kindertage vom 1.-3. Juni 2018 stehen bevor. Wie lange braucht Ihr, um so ein Event vorzubereiten und worauf können sich die Besucher freuen?

Die Planung beginnen knapp ein Jahr im Vorfeld. Je näher eine Großveranstaltung rückt, desto intensiver werden die Vorbereitungen und Abstimmungen innerhalb unseres Teams. Zum Kindertag werden wir alle verfügbaren Fahrzeuge einsetzen. Das bedeutet für uns ein großer Personalaufwand. Neben dem Eisenbahnbetrieb werden wir auch den Imbissstand mit vielen unterschiedlichen Leckereien am Hauptbahnhof besetzen. Insgesamt bedeutet solch ein langes Wochenende einen drei bis vierfach so hohen Personalwand wie im Regelfall. 

Welche spannenden Veranstaltungen stehen bei Euch in diesem Jahr noch an?

Am 23. und 24. Juni feiert unsere Brigadelok ihren 100. Geburtstag. Alte Technik rostet nicht. An diesem Tag werden unsere drei Dampfloks die Züge durch die Wuhlheide ziehen. Am Hauptbahnhof bereiten wir für unsere kleinen und großen Fahrgäste ein buntes Familienfest vor. Mit dabei ist auch wieder Theo Tintenklecks.

Zum Jahresende finden wieder unsere Nikolausfahrten statt. Für Familien kommt am 08. und 09. Dezember der Nikolaus zu Besuch. Während der Rundfahrt durch die kalte Wuhlheide können sich unsere kleinen Fahrgäste über eine Überraschung freuen.  In der Woche davor und danach macht der Nikolaus-Überstunden um Kitagruppen eine kleine Vorweihnachtsüberraschung zu bescheren.

Neben den Veranstaltungen ist für unsere ParkeisenbahnerInnen das neue Verkaufssystem ein Highlight. Nachdem wir die ersten Details in den Schulungen verkündigt haben, haben sich direkt über 20 Kids gemeldet, die das neue System mit testen wollen. Das zeigt uns, dass wir hier mit AMCON auf dem richtigen Weg sind.

 

Hintergrund: Wir von AMCON sind begeistert von dem Projekt BPE und von der Idee, Kinder und Jugendlichen so mit dem ÖPNV-Thema in Kontakt zu bringen. Aus diesem Grund stellen wir unser UFHO-System für stationäre und mobile Verkaufsgeräte kostenfrei zur Verfügung, damit die Kinder auch hier zukünftig mit der Vertriebstechnik der großen Verkehrsbetriebe arbeiten können. Umgesetzt wird das Projekt bei uns von einem Team aus Auszubildenden und dualen Studenten, die dabei von erfahrenen Softwareentwicklern und Projektleitern unterstützt werden.